| Glossar
P = *Pâli S = *Sanskrit
T = Thailändisch
m = männlich f = weiblich n =
sächlich
Ajahn (T; verschiedene Schreibweisen, sprich: a-dschaan; vgl. P:
âcariya; S: âcârya) Lehrer
Ânâpâna-*Sati (P) Achtsamkeit (*Sati, sprich: satti) beim Ein-
und Ausatmen. A. ist keine Atemübung (vgl. Yoga), sondern eine
Konzentrationsübung, wobei die Atmung - anders als bei der
Zen-Meditation - nicht beeinflusst wird.
Bhante (P) Anrede für einen Mönch, wörtl.: „Ehrwürdiger!", in Sri
Lanka gebräuchlich
Bhikkhu (P; S: bhiksu) ordinierter buddhistischer Mönch, vgl. *Tan
und *Phra. Die Ordination „ist keine Einweihung in eine
Mysteriengenossenschaft, auch kein sakramentaler Akt wie eine
Mönchsweihe der christlichen Ostkirche, sondern ein bloßer Rechtsakt.
[...] Die buddhistischen Mönche legen keine 'ewigen Gelübde' ab, sie
können darum jederzeit aus dem Mönchsleben ins Weltleben zurückkehren"
(F. Heiler, Die Religionen der Menschheit, hrsg. v. K. Goldammer, 5.
Aufl., Stuttgart 1991, S. 183 f.).
Bindabad (T; P: pindapâta, S: pindapâtra) täglicher
Almosensammelgang der Mönche um Nahrung
Buddha (P = S) der Erwachte; der Erleuchtete. Wenn *Theravâda-Buddhisten
'Buddha' verehren oder von 'Buddha' reden, meinen sie im allgemeinen den
historischen Buddha, nämlich Siddhattha Gotama (P; S: Siddhârtha
Gautama) Buddha, auch 'Sakyamuni' (P; S: Šakyamuni, š = sch) genannt.
Der hist. Buddha hat weder einen Anspruch auf Göttlichkeit noch auf
Einzigartigkeit erhoben. Der *Pâli-Kanon nennt sechs (mythische) Buddhas
vor Gotama und prophezeit einen Buddha der Zukunft namens Metteyya (P;
S: Maitreya). „Einsichten ohne Nutzen für die Leidensbefreiung
betrachtete der [historische] Buddha als wertlos: Er war ein
Heilspragmatiker, kein Metaphysiker" (H. W. Schumann, Buddhismus.
Stifter, Schulen und Systeme, 2. Aufl., Olten / Freiburg i. Br. 1978, S.
59).
Buscha siehe unter *Pûjâ
Dhamma (m!) (P; S: dharma) Hauptbedeutung: die Lehre (des
*Buddha); weitere Bedeutungen: Gesetz, Norm, kosmische Ordnung,
Wahrheit, Geistesinhalt / Denkobjekt, Daseinsfaktor(en), Sachverhalt /
Ding
Kuti (P = T; sprich: kutti) Mönchswohnung, wörtl.: Hütte
Luang Pi (T) ehrenvolle Anrede für einen Mönch etwa im mittleren
Alter, wörtl.: „ehrwürdiger Bruder!"
Luang Poh (T) ehrenvolle Anrede für einen Mönch etwa in Alter
eines Seniors, wörtl.: „ehrwürdiger Vater!"
Luang Buh (T) ehrenvolle Anrede für einen Mönch im hohen Alter,
wörtl.: „ehrwürdiger Großpapa!"
Maekao (T, sprich: mä-kau) Klosterbesucherin,
Meditationsschülerin, welche die acht Selbstverpflichtungen (atthanga *sîla)
einhalten will, Upasika im Sinne der zweiten Bedeutung (siehe unter *Upâsaka).
Mettâ (P; S: maitri) Liebende Güte, 'Allgüte'; mettâ-bhâvanâ (P):
Liebende-Güte-Meditation; mettâ-sutta (P): *Sutta von der Liebenden
Güte, eines der populärsten *Rezitationstexte des *Theravâda, im *Pâli-Kanon
überliefert (Snip 1,8 = Khp 9)
Pahkao (T, sprich: pa-kau) Klosterbesucher, Meditationsschüler,
der die acht Selbstverpflichtungen (atthanga *sîla) einhalten will, *Upâsaka
im Sinne der zweiten Bedeutung (siehe unter *Upâsaka).
Pâli wörtl.: Text; mittelindoarische Sprache, in der die
„heiligen". Schriften (*Pâli-Kanon) des *Theravâda-Buddhimus abgefaßt
sind. Der historische *Buddha sprach nicht Pâli, sondern einen Dialekt
des Königreiches Magadha, aus dem er stammte, Mâgadhî genannt. „Als
bisheriges Ergebnis der langen Kontroverse über den sprachlichen
Charakter des Pâli darf man festhalten, daß Pâli ein Dialekt des
westlichen Zentralindiens, und zwar wohl der Dialekt von Vidišâ im
heutigen Madhya Pradesh, der Heimat des Ceylon-Missionars Mahinda [...],
gewesen ist. Die ältesten buddh. Texte sind mithin aus dem östlicheren
Dialekt von Magadha, der Heimat des Buddha, ins Pâli übertragen worden
[...]. Dabei sind einzelne Wörter und Formen dieses Dialekts beibehalten
worden. Die älteste Pâli-Prosa stellt, abgesehen von diesen sog.
Magadhismen, eine ziemlich einheitliche Sprachform dar [...]. Nach der
im 1. Jh. v. Chr. in Ceylon erfolgten schriftlichen Aufzeichnung des
Pâli-Kanons [...] wurde Pâli zur Kirchensprache des Theravâda-Buddhismus
[...] mit seiner umfangreichen Literatur; es dient bis heute als
internationale religiöse Sprache der Theravâda-Buddhisten" (H.Bechert /
G.Roth in: H.Bechert / G.v.Simon (Hrsg.) Einführung in die Indologie.
Stand, Methoden, Aufgaben, 2., erg. Neuausg., Darmstadt 1993, S. 26;
Hervorhebung im Original). Es existieren unterschiedliche
Aussprachetraditionen - in den *Theravâda-Ländern ebenso wie in
verschiedenen Gelehrtenkreisen. So wird beispielsweise auf Sri Lanka das
*Pâli anders als in Thailand ausgesprochen, deutsche Indologen
bevorzugen eine andere Aussprache
als singhalesische oder indische Gelehrte - usw.
Pâli-Kanon die Sammlung der „heiligen" Schriften, die in *Pâli
überliefert sind, bestehend aus drei großen Teilen: Sammlung (wörtl.:
Korb) der Ordenszucht (*Vinaya-pitaka) - Slg. der Lehrreden
(*Sutta-pitaka) - Slg.
der scholastischen Erörterungen (Abhidhamma-pitaka); die buddh.
Bezeichnung für den P. lautet wörtlich „Dreikorb" (P: ti-pitaka; S:
tri-pitaka). Der *Theravâda-Buddhismus hat ein ganz anderes Verhältnis
zu seinen hl. Schriften als die anderen (Welt-) Religionen: Ein
fundamentalistisches Schriftprinzip, die klerikale Monopolisierung der
Schriftauslegung und intellektuelle oder gar rituelle Schriftverehrung
sind ihm gänzlich fremd.
Phansa (T; P: vassâ) Regenzeitklausur für Mönche, siehe dazu auch
die Erläuterung zu Khao*Phansa auf S. 7 f.
Pûjâ (f) (P = S) Verehrung, Zeremonie; Thai-Aussprache: bu-scháa
Phra (T, sprich: praa) Mönch, siehe auch *Bhikkhu und *Tan
Rapon (T, sprich: ra-pónn; auch: lapón) Segen oder Segenswünsche
der Mönche nach der Essensspende. Dieser Ritus ist im Sinne des *Theravâda
weder als sakramentaler Akt (im christlich-theologischen Sinne) noch als
magische Manipulation aufzufassen.
Rezitation siehe unter *Suatmon
Sâlâ (f) (P = T) (Versammlungs-) Halle
Sangha (m!) (P = S) die buddh. Gemeinde; 1. (im engeren Sinne)
die Gesamtheit der Mönche und Nonnen, 2. (im weiteren Sinne) alle buddh.
Gläubigen (Mönche, Nonnen, Laienanhänger/innen)
Sanghatan Sachspenden für die Mönche oder das Kloster
Sanskrit altindische (indo-arische / indoeuropäische) Sprache; S. ist
die klassische Literatursprache Indiens und die Sakralsprache ('heilige
Sprache') der Hinduisten und Mahâyâna-Buddhisten. Unterschieden wird in
vedisches, klassisches und buddh. (auch: hybrides) S.
Sati (f) (P; S:smriti) Achtsamkeit, Konzentration
Satipatthâna (n) (P; S: smriti-upasthâna), wörtl.: die (vier)
Grundlagen (auch: Erweckungen) der Achtsamkeit; Meditationsmethode, bei
der sich die Achtsamkeit auf vier Gebiete richtet: Körper, Gefühl /
Empfindungen, Geist / Bewußtseinszustand und Geistobjekte.
Selbstverpflichtungen siehe unter *Sîla
Sîla (n!), (P; S: sîla) Sittlichkeit; pañca sîla (P) die fünf
Selbstverpflichtungen (auch: Gebote, Tugendregeln, ethischen Regeln,
Bemühungen), die für alle Buddhisten, also auch für Laien, gelten;
atthanga sîla (P): die acht Selbstverpflichtungen, die mehrere Tage
verweilende Klostergäste und Laien an 'Buddha-Tagen' (*Upôsatha)
versprechen einzuhalten; dasa sîla (P): die zehn Selbstverpflichtungen,
die für Mönche, Nonnen und Novizen gelten.
Suatmon (T) wörtl.: beten, rezitieren; *Theravâda-Buddhisten
beten nicht, sondern rezitieren. Es gibt keine Bittgebete (wie z.B. in
den monotheistischen Weltreligionen), denn nach *Theravâda-Auffassung
ist 1. der *Buddha kein übernatürlicher Retter (Heiland), und 2. ist,
weil er bei seinem Tod ins Vollkommene Nirvana (S: pari-nirvâna, P:
pari-nibbâna) einging, keine Kommunikation zwischen ihm und der Welt
(nebst den himmlichen und höllischen Existenzbereichen) möglich, d.h.,
der *Buddha kann den Lobpreis, den ihm der *Sangha darbringt, weder
hören noch an ihn gerichtete Bitten und Wünsche erhören.
Sutta (n) (P; S: sûtra) wörtl.: Leitfaden, Schnur; 1. Lehrrede /
Predigt (des *Buddha), 2. allg.: hl. Schrift, besonders lehrhaften
Inhalts; hl. Text
Thera Thai-Äqivalent von „Phra"
Theravâda (P; S: Sthaviravâda) wörtl.: die Lehre der Alten, d.h.
die Lehre des älteren (ursprünglichen) Buddhismus, auch Hînayana,
„Kleines Fahrzeug", genannt, im Gegensatz zu den späteren
Lehrentwicklungen des Mahâyâna („Großes Fahrzeug") und des Vajrayâna
(„Diamantfahrzeug"). Zum Mahâyâna gehört z.B. der Zen-Buddhismus, zum
Vajrayâna z.B. der Tibetische Buddhismus. Die wichtigsten Lehren des Th.
sind : 1. Bezugspunkt und einzige Autorität ist der *Dhamma, wie er im *Pâli-Kanon
greifbar ist, 2. die Vier Edlen Wahrheiten, 3. die Lehre vom Bedingten
Entstehen (P: paticca-samuppâda, S: pratîtya-samutpâda), 4. die
anattâ-Lehre (P, S: anâtman; Lehre vom Nicht-Ich / Nicht-Selbst). Der
Th. kennt keinerlei Geheim-Initiationen (Einweihungen), esoterische
Lehren oder Geheimpraktiken. Zwei grundsätzliche Unterscheidungen sind
zu machen: 1. Die 'reine Lehre' des Th. ist nicht mit dem
Volksbuddhismus identisch. 2. Der Th. kommt (historisch-kritisch
gesehen) dem Ur-Buddhismus zwar am nächsten, ist jedoch nicht mit ihm
gleichzusetzen. Dieser ist (religionswissenschaftlich gesehen) nur
hypothetisch rekonstruierbar.
Tan (T) Mönch (Thai-Äquivalent von *Thera), siehe auch *Bhikkhu
und *Phra
Tambun (T, wörtl.: Gutes tun; vgl. P = S: dâna) das freiwillige
Geben von Materiellem (z.B. Essen und Kleidung an die Mönche),
Arbeitskraft (z.B. tätige Mithilfe im Kloster) und Weisheit (z.B.
Mithilfe bei der Verbreitung der buddh. Lehre). Der spirituelle Zweck
des Spendens ist die Überwindung von Gier und Egoismus sowie das
Erwerben religiöser Verdienste ('karmisch heilsamer Taten').
Ti-ratana (P; S: triratna, T: phra-ratana-trei) die Drei Juwelen
(auch: Kleinodien / Kostbarkeiten); buddh. Bezeichnung für *Buddha,
*Dhamma, *Sangha
Upâsaka (m), Upâsikâ (f) (P) wörtl.: Dabeisitzende(r); 1. buddh.
Laie, der *Zuflucht genommen hat und die fünf Selbstverpflichtungen (pañca
*sîla) einhält, 2. buddh. Laie, der zu besonderer Gelegenheit (z.B.
*Uposatha) die acht Selbstverpflichtungen (atthanga *sîla) einhalten
will.
Uposatha (P) Feiertage an den Tagen des Vollmondes und des Neumondes. Im
westlichen Kulturkreis werden aus praktischen Gründen die 'Buddhatage'
zumeist sonntags begangen.
Vier Edlen Wahrheiten, die siehe Buddhistisches Bekenntnis, hier:
S. 4
Vinaya (P; S) wörtl.: Disziplin; 1. Bezeichnung der buddh.
Ordensregeln, 2. Kompendium der Ordensregeln. Ein großer Teil der 227
Regeln für Mönche (und 311 für Nonnen) sind Übungs- und
Verhaltensregeln, die nicht mit der eigentlichen buddh. Ethik, dem *Sîla,
verwechselt werden
dürfen.
Vipassanâ (f) (P; S: vipašyanâ) Einsicht, Hellblick, Klarblick;
intuitives Erkennen; vipassanâ-bhâvanâ (P) Einsichts- (auch: Hellblick-,
Klarblick-) Meditation
Waldtradition ist die Bezeichnung für eine Lebensform (nicht für
eine Schulrichtung, einen Orden oder dergleichen!) des *Theravâda-Mönchtums
(der Gegenbegriff ist „Stadttradition"). Die *Waldtradition orientiert
sich so nahe wie möglich an den Ordensregeln des *Pâli-Kanon (*Vinaya)
und hat ihre originären Schwerpunkte in Meditation, Unterweisung in
buddhistischer Lehre und Lebensführung sowie in praktischer Seelsorge.
*Ajahn Chah (1918-1992), einer der bekanntesten Vertreter dieser
Tradition, sagte: „Die Arbeit eines Mönches besteht zu 80 bis 90 Prozent
darin, sich der eigenen Praxis zu widmen, die übrige Zeit kann damit
verbracht werden, der Öffentlichkeit von Nutzen zu sein. Selbst dann
sollten diejenigen, die die Bevölkerung belehren, solche sein, die sich
selbst unter Kontrolle haben, die nicht mit eigenen Problemen
beschäftigt sind und somit anderen helfen" (zit. n. J. Kornfield / P.
Breitner (Hg.), Ein stiller Waldteich, Berlin 1996, S. 114). - „Diese
Bewegung [ = die Waldtradition ] ist auch ein Protest gegen die immer
stärker auf weltliche Angelegenheiten ausgerichtete Lebensweise vieler
Dorf- und Stadtmönche" (M.B. Carrithers, in: Die Welt des Buddhismus,
hrsg. v. H. Bechert u. R. Gombrich, München 1984, S. 118; vgl. auch S.
142-144).
Wat (T) Kloster (auch: Tempel); vgl. P = S: vihâra
Zufluchtnahme („die Dreifache Zufluchtnahme"; P. ti-sarana,
S:tri-šarana) bezeichnet das Bekenntnis zu den 'Drei Juwelen' (*ti-ratana)
(„Ich nehme meine Zuflucht zu *Buddha, . . . zum *Dhamma, . . . zum *Sangha").
'Z.' hat zwei Bedeutungen: 1.die Konversion zum buddhistischen Glauben,
2. das Wiederholen der Formel, z.B. bei privaten Andachten oder an
'Buddha-Tagen' (*Uposatha). Die Z. im ersten Sinne ist kein
sakramentaler (heilsmagischer) Akt, wie z.B. die christliche Taufe; Z.
im zweiten Sinne ist kein Glaubensbekenntnis im engeren Sinne (wie z.B.
das Apostolische Glaubensbekenntnis im Christentum), sondern drückt
Verehrung, Handlungsorientierung und *Selbstverpflichtung (vgl. *Sîla)
aus. Buddhist oder Buddhistin wird man nicht durch ein Ritual, sondern
durch Praktizieren des Achtfachen Pfades, der vierten der *Vier Edlen
Wahrheiten. Da die Z. kein Weiheritus zur Aufnahme in eine
Mysteriengemeinschaft ist, muss die Z. nicht öffentlich, also z. B. vor
Mönchen in einem Kloster, sondern kann auch privat und in der Stille des
Herzens |